Vom Eingewöhnen

06. Jan. 12 in , jetzt Kommentar schreiben

Seit Juni geht der Todd in die Kita. Das tut er, weil ich seit Juli wieder im Beruf stehe und er mich dabei nicht begleiten kann. Also begann alles mit einer Eingewöhungsphase, für die 4 Wochen veranschlagt waren. In der ersten Woche waren der Todd und ich zusammen für 1 Stunde in der Kita, zum Schnuppern. Lief soweit auch super, ausser dass der Kleine an mir hing wie Kaugummi an der Schuhsohle. Wir beschlossen in der 2. Woche eine Stufe weiter zu gehen und ich ließ ihn für jeweils 1 Stunde am Tag allein mit den Erzieherinnen. Das klappte entgegen meiner Erwartungen bestens, mal abgesehen vom herzzerreissenden Geweine bei der Übergabe. Die Erzieherinnen versicherten mir aber, dass er sich kurz nach meinem Verschwinden wieder beruhigt. Doch das Kletten blieb. Diesmal eben an den Erzieherinnen. Da der Todd seit jeher ein Faible für Blondinen hat, war auch schnell seine Lieblingserzieherin ausgemacht. Die musste sich dann täglich mit ihm abschleppen, denn er ließ nicht von ihr ab. Ich war jedoch beruhigt, dass er sich überhaupt beruhigen ließ. Das Kletten war nun ihr Problem ;). Sehr überrascht war ich, als mir die Erzieherinnen dann mitteilten, dass der Todd in den 2 Stunden Aufenthalt jedes Mal und ganz unverhofft so müde wurde, dass er ihnen auf blankem Boden einschlief. Sie packten ihn also in den Schlafraum in ein Gitterbettchen und… er schlief. Eine halbe Stunde jeweils, um dann fröhlich im Bettchen stehend auf Mama zu warten. Das wiederholte sich so lange, bis er dann auch in der letzten Woche dort Mittag essen und auch sein Schläfchen halten sollte. Promt brauchte er sein Powernapping, wie wir es nennen, nicht mehr und hielt wacker bis Mittag durch. Der Mittagschlaf klappte von Anfang an problemlos. Klar, so ein langer,spielfreudiger Vormittag schlaucht. Und als ich ihn dann in der letzten Woche stets gegen 14Uhr abholte, stand er schon strahlend und ausgeschlafen in seinem Bettchen und streckte seine Ärmchen nach mir aus.

Dann kam meine erste Arbeitswoche. Und der Infekt. Der Todd war krank und ich durfte meine ersten 4 “Kind-krank-Tage” nehmen. Ich sollte an einem Montag starten, und begann dann doch an einem Freitag, weil der Infekt erst auskuriert werden musste. Den Freitag war er dann aber wieder so fit, dass wir ihn in die Kita gaben. Ein bisschen Angst beschlich mich ja, dass er nun wieder entwohnt war und es Ärger geben würde. Es blieb beim morgendlichen Protest, der Rest lief aber wie geschmiert. Und dann kam seine erste richtige “Kita-Woche”. Der Todd hat allerdings das große Glück liebe Großeltern zu haben, die ihn gern und regelmäßig früher aus der Kita holen. Das klappt super und ich bin sehr froh darüber, ein so gut funktionierendes “soziales Netz” zu haben. Einzig das morgendliche Weinen machte mir den Weg in die Einrichtung schwer. Es gab Tage, da fing der Todd schon an der großen Kreuzung, kurz vor der Kita mit dem Weinen an, weil er wusste er würde jetzt wieder “abgegeben” werden. An besseren Tagen fing er erst damit an, als ich ihm seine Jacke und Schuhe im Flur auszog. Einmal war es so schlimm, da hat er so laut und herzerweichend gejammert, dass ich draußen vor der Tür ein paar Tränchen verdrücken musste. Es war wirklich schwer, es tat mir so leid und ich haderte mit mir, ob es denn nicht doch noch zu früh für ihn ist. Aber gutes Zureden und die Versicherung, dass er sich ganz schnell wieder beruhigt, ließen mich hoffen. An 2 Tagen in der Woche bringen wir, also Todds Papa und ich, den Sohnemann in die Kita. 2 Tage an dem ich meinem Freund gern die Verpflichtung der Übergabe überlasse. Und dann, eines Morgens, kam Todds Papa aus der Einrichtung, stieg zu mir ins Auto und sagte:“Er hat nicht geweint.” Das war letzte Woche. Und bisher blieb es auch dabei. Als wir ihn letztens gemeinsam hinein brachten, feixte er sogar auf unseren Armen mit einem anderen Mädchen und lachte seine Lieblingserzieherin fröhlich an. Wir jedoch bekamen den Blick:“Was wollt ihr noch? Ihr könnt abhauen, ihr stört!” Das war der Moment in dem wir begriffen: Er ist eingewöhnt.

Kein Abschiedsdrama mehr. Seltsamerweise hab ich daran zu knabbern gehabt. Hat er mich nicht mehr lieb? Sind wir so schrecklich, dass er dann doch lieber freiwillig in die Kita geht? Warum freue ich mich nicht einfach, dass er sich dort anscheinend so wohl fühlt? Ich weiß es ist Unsinn, aber so ein kleiner Abschiedsschniefer könnte doch drin sein, oder?

Beim letzten Abgeben ging er wieder bereitwillig in die Arme der Erzieherin. Ich ging aus dem Gruppenraum und linzte noch einmal kurz durch das Türfenster. Da saß er mit den anderen Kids am kleinen Kindertisch und nahm sich eine Schnitte vom Tablett, um diese dann genüsslich zu verschlingen. Mein großer Todd, dachte ich mir und strich mir eine kleine Träne unterm Auge weg. Jetzt bin ich die jenige, die beim Abschied heult.

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