Vermissen, Baby!

06. Jan. 12 in , jetzt Kommentar schreiben

Der Todd hatte am Wochenende wieder “Oma-Ferien”. Das heißt, er verbrachte den Samstag, inklusiver einer Übernachtung zum Sonntag bei meiner Mutter. Das machen wir in regelmäßiger Unregelmäßigkeit. Und dabei profitieren alle: Die Oma freut sich wie eine Schneekönigin, wir Eltern haben tatsächlich mal einen Samstagabend Ausgang und der Todd freut sich über die Extraportion Betüdelung und kann die Vorzüge des Landlebens, inklusive der dazugehörigen Tiere, genießen. (Das der obligatorische Besuch beim Rinderbullen dieses Mal ausfallen musste, da dieser mittlerweile zu einem Steak geworden ist, verschweigen wir dem Todd lieber ;))

Dieses Mal hatten wir jedoch ein wenig Bedenken, ob er denn ohne größeren Abschiedsschmerz bei der Oma bleiben würde. Denn Todd ist derzeit wieder sehr rockzipfelig, will meinen: Kein Schritt ohne Mama. Passt mal der Papa auf das Kind auf, weil Mama zum Frisör Einkaufen gehen möchte, bemerkt es dieses nach kurzer Zeit meist und fängt an, alle Räume nach mir abzusuchen. Dabei bleibt er an der Schwelle stehen und ruft verdutzt: “Mame da?”. Erhält er keine Antwort, geht er in den nächsten Raum. Bis er alle durch hat. Immerhin akzeptiert er meine Abwesenheit, dafür muss der Papa sich dann auch ordentlich ins Zeug legen. Bespaßung galore!

An diesem Samstag, nach dem Kaffeetrinken, wollten wir uns also aufmachen. Wir taten so wie immer: Meine Mutter ging mit dem Todd in einen anderen Raum, lenkte ihn ab und wir verschwanden dann heimlich. Oh Gott, wie ich es hier so aufschreibe klingt das ganz fürchterlich rabenelterlich. Leider funktioniert es bei Abschieden (jeder Art) nur auf diese Weise. Auch in der Krippe geht es nur mit Ablenkung und Davonschleichen. Natürlich würde ich mich viel lieber offiziell von ihm verabschieden, aber dann würde er unsere Abwesenheit viel schlechter verkraften. Beziehungsweise würde es ihn überhaupt tangieren? Als wir dann nämlich gegangen waren und ich Stunden später bei meiner Mutter anrief, war die überraschende Antwort auf meine Frage ob er uns denn vermissen würde: “Nö, kein bisschen.” Kein “Mame da? Pape da?”, kein fragendes “Mama?”, kein Absuchen und erst recht keine Tränen. Nach dem Motto – Keine Eltern da? Gut, ah da hinten ist ein Auto…” Essen, Waschen, Schlafen, Bespaßen – Alles ging fluffig ohne Eltern. Als wir ihn gestern abholten, kamen wir (ganz freudig aufgeregt) durch die Tür und gingen in die Knie ob der ebenso freudigen Begrüßung. Er drehte sich zu uns, kam kurz in unsere Arme gewirbelt, entzog sich der Umklammerung und ging zurück zu seinem Spieltisch…

Ob wir uns darüber freuen, dass unser Kind problemlos auch mal eine Nacht bei der Oma verbringt? – Freilich, ungeheuer! Aber so ein kleines bisschen vermissen wäre irgendwie gut. So fürs Ego. Nur ein kleines “Mame/Pape da?”, nur 1 Raum absuchen, nur ein kleiner Seufzer…

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