Offener Brief an die Juni-Käfer
Liebe Junikäfer,
willkommen im Juli. Ich hoffe es gefällt euch im für mich schönsten Monat des Jahres. Uns erging es bisher eher durchwachsen. Das Wetter lässt zu Wünschen übrig und irgendwie will sich derzeit keine richtige Sommerlaune einstellen.
Anders ergeht es wohl euch. Ihr macht immer noch auf dicke Hose und Party-all-time-long. Schön. Das freut mich für euch sehr. Denn auch ihr kleinen Kreaturen habt ein Recht auf Leben.
Doch da wäre eine Kleinigkeit…
Leider gab es zwischen uns in den letzten Jahren immer mal wieder kleinere unerfreuliche Auseinandersetzungen. Der Konflikt rührt wohl daher, dass ich euch wohl irgendwie nicht leiden kann. Liegt es daran, dass ihr von der Natur nicht sonderlich mit Schönheit bedacht wurdet oder daran, dass eure Vortbewegungsversuche für ein menschliches Ohr eher lästig erscheinen?
Wenn ich für mich sprechen darf, liegt es wohl eher daran, dass ihr ungefragt und permanent Hausfriedensbruch begeht. Immer wenn es dunkel wird, bin ich gezwungen Türen und Fenster zu schließen, damit ihr nicht wieder einmal ungefragt in meine Wohnung flattert. Durch die euch angeborene Hässlichkeit und die nervtötenden Summ-Geräusche seid ihr mir leider nicht sonderlich sympatisch. Das ständige Gefühl des “Angekrabbeltwerdens” tut sein übriges, dass ich eure Anwesenheit nicht sonderlich schätze.
Ich gratuliere euch zu eurem erreichten biblischen Alter. Ich weiß nicht ob eine gesunde Ernährung oder ausreichend Sport oder der Verzicht auf Nikotin euch den Einzug in den Juli beschert hat, aber ich weiß ein gutes Sprichwort:
“Man soll gehen, wenns am Schönsten ist.”
Bisher hab ich ja die Jahre mit euch irgendwie gut über die Runden gebracht, wir lebten in friedlicher Koexistenz. Ihr Methusalem-Käfer sorgt allerdings nun für ein angespanntes Verhältnis.
Der Waffenstillstand ist in Gefahr!
Euch bleiben nun zweierlei Möglichkeiten:
1. Ihr sucht euch ein anderes Land. Frankreich ist toll. Da steppt derzeit echt der Bär – Angelina Jolie oder Brad Pitt zu umsurren ist doch viel spektakulärer.
2. Ihr fallt einfach tot um… Simpel aber wirkungsvoll. Nur mit einem dramatischen Abgang wird man zur Legende. Nichts ist schlimmer, als nicht zu wissen, wann man gehen muss! Damit wird man zur Last.
Ich empfehle euch Variante 1. Ist doch irgendwie cooler. Und draufgehen müsst ihr dann meinetwegen auch nicht.
So, liebe Johannes-Heesters-Käfer,
ich hoffe meine Botschaft regt euch zum Nachdenken an. Dies war der (letzte) diplomatische Versuch euch zur Vernunft zu bringen!
Eure,
Mrs. Felsenheimer
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