Nutzlos
Manchmal braucht man einfach Freunde.
Zum Heulen, zum Lachen, zum Quatschen… Und manchmal im Leben gibt es Situationen, die sind gerade dafür geschaffen, einen treuen Freundschaftsdienst zu leisten. Blöd nur, wenn man dann nicht gebraucht wird.
Eine gute Freundin von mir heiratet in gut einem Monat. Und ich darf ihre Trauzeugin sein. Ein an sich verantwortungsvoller Job. Man hilft beim Organisieren, gibt Tipps und wählt verschiedene Dinge mit aus – man unterstützt einfach die Braut. Gestern rufe ich meine Freundin an und frage sie, wie schon häufig davor: “Und du brauchst wirklich keine Hilfe?”, darauf sie:” Nein, wir haben alles genau geplant, aber danke dir.”. Etwas bedrückt gebe ich mich geschlagen und begnüge mich damit, hoffentlich am Tag der Hochzeit meinem Titel als Trauzeugin gerecht zu werden. Dann höre ich am anderen Ende der Leitung auf einmal ein aufgeregtes:“Doch!”, ich hebe den Kopf und meine Augen glänzen freudig. “Ja?”, frage ich. “Ich brauche noch deine Hilfe”. Juhu, denke ich mir. “Ich brauche mal deine Adresse, fürs Standesamt.” Der Blick senkt sich wieder und ich gebe mit trostloser Stimme meine aktuelle Adresse durch.
Ich fühle mich nutzlos.
Eine andere gute Freundin von mir zieht um, nach Magdeburg, in meine Heimat, an diesem Wochenende . Toll, wie ich finde und ich reibe mir meine Hände. Jetzt wird angepackt! Gerade ruft sie mich an, weil ich ihr vorher eine SMS geschickt habe, in der ich ein xtes Mal nachgefragt habe, ob sie WIRKLICH nicht meine Hilfe braucht. “Also danke nochmal für dein Angebot”, beginnt sie “aber da ich ja eine Umzugsfirma beauftragt habe und meine Ellis mir helfen, brauchste wirklich nicht extra vorbeikommen”. Na danke, genau das wollte ich nicht hören. “Na gut”, sage ich darauf. “Aber vielleicht kann ich ja mal am Sonntag vorbeischauen, vielleicht liegt ja noch was an. Oder vielleicht kann ich dir bei der alten Wohnung helfen, da muss doch sicher noch was gemacht werden.” Am anderen Ende der Leitung höre ich ein kurzes Schnaufen, als ich merkte dass meine Freundin fieberhaft überlegte, wie ich ihr noch helfen könnte. “Nee, dass ist auch schon alles aufm Weg.” Na gut, denke ich mir, ich will mich ja niemandem aufzwingen.
Und ich fühle mich noch nutzloser.
Das Wochenende kommt und ich bin gefangen zwischen dem Gefühl der Nutzlosigkeit und Unbeholfenheit. Ich würde ja sooooooo gern jemanden helfen, bitte!!!! Irgendwer… Mein Gewissen muss einen Freundschaftsdienst leisten, sonst quält es mich unaufhörlich weiter.
Ich appeliere an meine Freunde: Ich gehe zu Grunde wenn ich EUCH NICHT HELFEN KANN!
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“Freundschaft ist eine Kunst der Distanz, wie Liebe eine Kunst der Nähe ist.”
Eine Ehe zu bezeugen ist kein Freundschaftsdienst. Das ist eine ehren-und verantwortungsvolle Aufgabe. Und eine Hochzeit plant man wirklich lieber in Ruhe selbst. Ich spreche aus Erfahrung.
Bräute sind recht sonderbares Volk und ändern schnell ihre Meinung zu allem möglichen.
Da will man nicht noch Dritte mit reinziehen,wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. ;-)
Deine Umzugsfreundin will ihren Stress wohl auch lieber allein hinter sich bringen. Sei doch dann die Erste, die ihr Brot und Salz zum Einzug vorbei bringt!
So, das war mein Wort zum Donnerstag.
Kenne das auch, muss aber dazu sagen, dass das auch oft umgekehrt läuft. Also man bräuchte Freunde, die einen jetzt unter die Arme greifen, etc. (was du halt alles oben aufführst). Nur genau in diesem Moment sind diese nicht für dich da. :(
@SonicHedgehog: Ja, vielleicht haben wir eine zu altmodische Einstellung was “Freundschaft” bedeutet. In der heutigen Zeit wird man nicht nur geografischen oft auseinander gerissen, sondern auch aus zeitlichen Gründen nimmt man nicht mehr so am Leben der Anderen teil. Ein Trend den ich doch recht beunruhigend finde. Naja, müssen wir wohl das beste draus machen!