Ohrdilemma, Akt Drölfzigtausend

12. Apr. 12 in , bisher 4 Kommentare

Heute war wieder HNO-Kontrolle für den Todd angesagt. Das läuft immer nach dem selben Schema ab: Frau Dr. guckt in die Todd’schen Ohren, sagt “Das sieht nicht gut aus.” und vertag die Sache auf weitere 4 Wochen zum erneuten Kontrolltermin. Mit “Das sieht nicht gut aus” meint sie übrigens die Beschaffenheit der Trommelfelle. Die sind beim Todd nämlich dauerentzündet. Das äußert sich alle paar Wochen mit einem Paukenerguss (Flüssigkeit läuft aus den Ohren), der dann mit antibiotischen Ohrentropfen geheilt wird und dem viel zu häufigen Einsatz von abschwellenden Nasentropfen/-sprays. Des Weiteren meint sie mit “Das sieht nicht gut aus”, dass wir uns darauf einstellen müssen, das noch einmal ein Satz Paukenröhrchen fällig wird. Hatten wir schon mal, ich schrieb darüber bereits hier. Beim heutigen Termin gab es abgesehen vom obligatorischen “Das sieht nicht gut aus.” auch eine konkretisierte zeitliche Vorstellung der OP. Sie meint, wir können nochmal 4 Wochen warten, dann aber muss was passieren.

Also wieder OP. Wieder ein Vollnarkosenzombie und Untersuchungsmarathon, eine Nacht Krankenhaus und das große Bangen, ob der Todd zur OP gesund bleibt. Alles in der besten Badesaison. Denn mit 2 Paukenröhrchen ist Baden eher schlecht als recht, da kein Wasser ins Ohr gelangen darf.

Aber es muss gemacht werden. Trommelfelle regenerieren sich irgendwann nicht mehr und dann droht Schwerhörigkeit und eine noch größere OP.Das wollen wir doch mal lieber sein lassen. Ich hoffe nur, dass die Röhrchen dieses Mal länger drin bleiben. Das aktuelle schaffte gerade so 3 Monate. Aber es war eine deutliche Verbesserung während dieser Zeit zu erkennen. Ich sehe also den Nutzen und das macht mir die Entscheidungsfindung einfacher.

Ich glaub es hackt!

06. Mär. 12 in , bisher 4 Kommentare

Es gibt da so einen Jungen in Todd’s Krippengruppe, der fällt mir immer wieder besonders auf. Allerdings eher negativ. Wie soll ich es beschreiben? Es ist so, dass ich relativ früh schon eine, und ich kann nicht wirklich belegen warum eigentlich, gewisse Distanz, vielleicht sogar Abneigung hege. Das hat sich im Laufe der Zeit irgendwie manifestiert und bestätigt sich leider immer wieder. Als ich dem Jungen das erste Mal begegnet bin (da war er ungefähr 9 Monate), lernte ich ihn als Schreikind kennen. Da hatten die Eltern schon einen Marathon an ärztlichen Untersuchungen und Osteopathenterminen hinter sich. Geholfen hat es nicht. Er schrie. Ständig. Und wie am Spieß. Man kann sich eventuell vorstellen, wie harmonisch das Gruppenleben damals war. Ich möchte meinen, auch bei den Erzieherinnen einen gewissen Level an Genervtheit erkannt zu haben. Sogar die Eltern gaben unumwunden zu, dass sie ganz froh wären, ihn auch mal in die Einrichtung abgeben zu können. Ich habe von ihnen keinen negativen Eindruck. Es muss sehr hart für sie gewesen sein. Nun, dass scheint sich mittlerweile gelegt zu haben. Er scheint eine neue Ausdrucksform der Provokation gefunden zu haben: Andere Kinder drangsalieren.

So ergab es sich heute, beim morgendlichen Bringen, dass der Todd (wie immer gut gelaunt, wenn er in seine Gruppe reinstolziert), Ziel der Attacken des Jungen wurde. Als der Todd den Raum betrat und auf seine Erzieherin Gabi zuging, um sie zu begrüßen, saßen die anderen Kinder schon am Tisch. Auf einmal zog der besagte Junge seinen Stuhl zurück, stampfte (er ist von kräftiger Statur) auf den Todd zu und schubste ihn. So arg, dass der Todd ins Straucheln kam und sich gerade noch fangen konnte. Zunächst dachte ich, dass er den Rempler einfach ignorieren würde. Doch dann drehte er sich um, und sah in das grinsende und sichtlich erfreute Gesicht dieses Jungen. Daraufhin fing er an bitterlich zu weinen. Und das war der Moment in dem ich dachte: Ich glaub es hackt! Diese offensichtliche Freude daran, jemanden absichtlich “Schaden” zuzufügen ist jetzt an sich nicht so ungewöhlich für Kinder in diesem Alter. Der Todd freut sich auch in aller Regelmäßigkeit darüber, wenn wir uns irgendwo den Kopf anstoßen oder den Fuss anhauen. Aber dass der Todd erst so erschrocken reagierte, als er sah, wer ihm das antat, verursachte ein gewisses Unbehagen in mir. War da noch mehr?, fragte ich mich. Gabi reagierte sofort, nahm den Raufbold, setzte ihn zurück an den Tisch und wies ihn bestimmt, aber angemessen zurecht. Der Todd beruhigte sich und wurde ebenso auf seinem Platz postiert. Jetzt saßen sich die beiden gegenüber. Und der andere Junge, immer noch sehr belustigt, schlug mit beiden Händen auf den Tisch und rief in seiner Babysprache etwas, dass offensichtlich in Todds Richtung ging.

Ich versuchte Fassung zu bewahren und mich aus diesem Zwist herauszuhalten. Der Todd muss ja auch lernen, mit solchen Raufbolden umzugehen. Und Mutti kann (und soll sicher auch) nicht immer hinter ihm stehen und das Nudelholz schwingen, sobald ein Rüpel es auf ihn abgesehen hat. Dennoch konnte ich mir die Frage nicht verkneifen:” Ist er denn öfter auf Streit aus?”. Gabi antwortete: “Er war ja schon immer etwas anders. Er ist da schon sehr bestimmend.”, sie sah auf und blickte mich an:“Aber wenigstens weint er nicht mehr so viel.”

Ich ging einigermaßen ernüchtert aus der Einrichtung und sagte mir insgeheim, dass dieser “Vorfall” nur eine weitere Bestätigung dafür ist, dass der Kita-Wechsel im Mai doch eine gute Idee war. Natürlich wird es auch dort zu Zwistigkeiten kommen. Dessen bin ich mir bewusst. Aber wenigstens sehe ich dieses Kind (Michael Mittermeier hat die Bezeichnung für solche Kinder einmal auf den Punkt gebracht) nicht mehr. Denn nach heute, ist dieses diffuse Gefühl der Abneigung einem sehr klarem und nachhaltigem Bild der Abneigung gewichen.

PS: Ich schreibe hier aus meiner Sicht. Dabei behalte ich es mir vor, Situationen zu beurteilen, wie ich sie sehe. Mir ist bewusst, dass ich hier nur Auszüge aus dem Verhalten dieses Jungen wiedergeben kann und dass das sicher nur die halbe Wahrheit ist. Dass er ein liebenswürdiger, aufgeweckter kleiner Junge ist, der sicher auch mit sich selber hadert und schubt und wächst. Von Verhaltensauffälligkeiten wird heute eh viel zu schnell gesprochen und gewisse Diagnosen sind noch schneller gestellt. Darum geht es mir aber gar nicht. Ich will keine psychologische Einschätzung fabrizieren, warum das Kind so oder so ist und reagiert. Es geht mir um die Auswirkung dieses Verhaltens gegenüber Anderen, insbesondere natürlich gegenüber dem Todd. Man sehe mir also nach, dass ich leichtfertig oder auch nicht über dieses Kind urteile. Aber habe ich jemals politische und gesellschaftliche Korrektheit versprochen? Es ist eben Onprangering!

Diese Rumfresserei muss ein Ende haben!

15. Feb. 12 in , bisher 4 Kommentare

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