Mein Beebie gehört zu mir!
Gestern bekam der Todd eine Baby-Puppe von mir geschenkt. Eine ganz einfache. Ohne viel schnickschnack. Dazu geliefert wurde auch eine Flasche, um das Püppchen füttern zu können und ein Schnuller (Der aber schnurstracks verschwand, da der Todd gerade am Abgewöhnen ist). Schon im Geschäft rief der Todd ganz aufgeregt: “Beebie! Beebie!”.
Zuhause, nachdem ich die Puppe aus unzähligen Verpackungen geschält hatte, übergab ich sie ihm und er verlangte sogleich nach der “Schlasche” (Flasche). Er setzte sich und das Beebie auf den Boden und gab ihr erstmal einen großen Schluck. Wobei er Trinkgeräusche nachahmte und immer wieder rief “Beebie esse!”. Als die Puppe satt war, trug er sie ganz behutsam in sein Zimmer und wusste nicht so recht was mit ihr anzufangen. Ich fragte den Todd daraufhin, ob wir dem Baby ein Bettchen machen wollen. Er riss freudig die Augen auf und tönte ein lautes “Ja ja!” hervor. Ich improvisierte und bereitete aus einer Ikea-Wäscheutensilienkiste und einer Schmusedecke ein Bettchen. Sofort legte der Todd seine Puppe hinein, nahm eine weitere Decke und legte es dem Püppchen über den Kopf Körper. Doch immer wieder nahm er es heraus, herzte es, gab ihm Küsschen und natürlich auch die Flasche.
Der Beste staunte ebenso nicht schlecht, als er sah, wie fürsorglich der Todd mit seiner Puppe umging. Richtig gelacht haben wir, als der Beste den Todd aufforderte, dem Baby nochmal etwas zu essen zu geben (Wir rechneten damit, dass er wieder die Flasche zücken würde). Der Todd nickte eifrig, griff sein Baby, ging zu seiner Spielküche, legte das Baby kurz ab, nahm einen Topf, rührte ein paar Zutaten hinein, griff wieder zur Puppe, hielt sie über den Topf und machte Schmatzgeräusche. Als wir ihn nach Tee fragten, nahm er seine Teekanne und eine Tasse in die Hand und reichte jedem (auch dem Baby) eine “volle” Tasse. Wir fragten den Todd dann, ob er das Baby nicht ein bisschen im Buggy fahren möchte. Sofort rannte er zum Puppenbuggy, riss den bis dato dort sitzenden Winnie Pooh aus der Verankerung und platzierte das Püppchen. Dann ratterte er los, zog durch die ganze Wohnung. Als ihm die beigelegte Flasche herausfiel, rief er ein überraschtes “Ach du!” hervor und legte sie sofort wieder in den Wagen. Danach sollte das Baby wieder schlafen gehen.
Es war so goldig, so lustig und auch lehrreich. Der Todd ist kein Baby mehr. Schon lange nicht mehr. Aber dieser Nachmittag gestern zeigte es noch einmal umso deutlicher. Dass er sich so rührend um sein “Beebie” kümmerte, zeigte, dass er schon richtige Sozialkompetenz entwickelt hat. Immer wieder schaute er nach seiner Puppe, ob sie auch noch artig in ihrem Bettchen liegt. Gleich nach dem Aufstehen musste er sich vergewissern, dass das Baby auch noch da war. Als er es dann samt Bettchen vom Tisch nehmen wollte, plumpste er auf seinen Windelpo und das Baby hing halb aus dem Bettchen. Da weinte er ganz bitterlich, weil die Puppe fast zu Boden gefallen wäre. Hach. Ganz der stolze Puppenpapa!
Der feine, kleine Unterschied
Erblickte ich früher Zwillinge, gings in etwa so:“Oh, wie süüüüß.” Heute eher so:“Oh, die Arme!” 9 Monate Einlingsmutter prägen halt.
Dr. Jekyll und Mr. Hyde
Heute lehrte mich mein Kind Demut. Nachdem wir die letzten Wochen so sehr davon verwöhnt waren, dass der Nachwuchs zwischen 18 und 20Uhr meist zur nächtlichen Bettruhe fand und das meist ohne großes Gequengel, gabs heute die Hyde-Version des Baby-Boys. Auf einmal ging gar nichts mehr. Gebrüll, soweit das Ohr reichte.
Was dann? Du checkst die Basics: Hunger, volle Windel, Einsamkeit, Hunger. Der 3-Monats-Kolik-Geist war auch schon lange verbannt worden, was also blieb übrig? – Fakt ist: Ich habe keine Ahnung. Selbst wenn meine Vermutung, nämlich einer dieser anstrengenden Wachstumsschübe, sich bestätigt hätte, stünde ich vor dem selben Problem: Unstillbares Geschrei. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Und so wiegte ich ihn im Arm durch die Wohnung, steckte den Nuckel unzählige Male in seinen Mund und säuselte ihm dieses bescheuerte “Psssschht” (als hätte das einen Effekt) ins Ohr, in der Hoffnung dass er von der ganzen Schreierei irgendwann mal müde oder hungrig wird. Zweiteres trat dann schließlich ein und als ich bemerkte wie seine Augen langsam auf Halbmast segelten, spürte ich eine unendliche Erleichterung. Ich schätze, das eine oder andere graue Haar ist jetzt dazu gekommen. Dafür habe ich ein paar Nerven weniger. Und so gleicht sich alles im Universum wieder aus. Na wenn das mal nicht gerecht ist!
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