Die Wartezimmer-Zeitschrift-Top 5
Aufzählungen, Top-Ten-Listen oder Ranking-Bereichte scheinen dem gemeinen (ja, wie im Bio-Unterricht) Blogger immer wieder einen Beitrag wert zu sein. Und was nicht alles gerankt wird: Die besten Communitys, die schönsten Hollywood-Beautys, der schönste Desktop-Hintergrund und so weiter, und so weiter. Es gibt nichts, was man nicht in einem Ranking festhalten könnte …
Grund genug für mich, die Liste der sinnfreien Aufzählungen zu erweitern.
Daher habe ich aus aktuellem Anlass eine Auflistung gewählt, mit der wohl (fast) jeder Bürger hierzulande etwas anfangen kann: Die…
Top 5 der beliebtesten Wartezimmer-Zeitschriften
Einleitend sei erklärt, dass diese Liste anhand einer nicht ganz unabhängigen Jury erstellt wurde – die Jury besteht aus nur einem Mitglied: Nämlich aus mir. Ich erlaube mir, mich als “repräsentativ” zu bezeichnen, da ich jährlich 40,00EUR Praxisgebühr (Maximum) entrichte – als Frau auch keine Kunst – (Meine Artgenossinnen wissen was ich meine). Die Dauer meiner Wartezeiten, sowie die ausführliche Lektüre sämtlicher Zeitschriften die zur Verfügung standen, prädestinieren mich gerade dazu, diesen Status einzunehmen. Daher seid gespannt auf die Mrs. Felsenheimerische Top-5-Liste der beliebtesten Zeitschriften:
- Auf der 5: “Gala”: Ein Schmuckstück unter den Zeitschriften. Nur in ausgewählten Arztpraxen aufzufinden. Die gute Verarbeitung und die exklusiven Paparazzi-Fotos weisen auf ein hochwertiges Produkt hin. Der Fokus liegt auf Klatsch- und Tratschgeschichten aus Hollywood, aber auch die deutschen Promis finden sich hier wieder. Gekonnt oberflächlich mit an den Haaren herbeigezogenen Quellen, von sogenannten “Freunden des Stars”, findet man dort Beiträge über Stars und welche die es (wieder) werden wollen.
- Die 4: “Bild der Frau”: Für die stressgeplagte Mutti mit chronischem Diät-Wahn wohl der erste Griff in den Zeitungsstapel. Hier findet man nicht nur Allheilmittel gegen Migräne und Beinvenenverstopfung, sondern auch nützliche Tipps zur Kindererziehung als auch Beratung von Ärzten und Psychologen. Ebenso interessant wie sinnlos die viel angepriesene “Lebensgeschichte”: Berichte von Ehefrauen, die betrogen worden, deren Männer trinken, deren Kinder Drogen nehmen, die sexuell unbefriedigt sind und natürlich Berichte von Ehefrauen, die schreckliche Schwiegermütter haben. Abgerundet wird das Magazin mit einem hippen Horoskop, das mit individuellen Zügen eine Art Lebensberatung verspricht.
- Die 3: “Jolie”: Für die Zielgruppe “13-20 Jahre” durchaus eine gute Wahl. Schmink- und Frisurentipps, gepaart mit ein wenig Promi-Lästerei und natürlich unendlichem Mode-Blabla. Highlight: Die Probepackung “Haarspülung”. Die “Ich-wär-so-gern-Carry-Bradshaw”-Kolumnistinnen versuchen ihren trägen Alltag in deutschen Großstädten in haarsträubende Artikel wiederzugeben und perfektionieren das Klischee der Schuhe kaufenden, Männer süchtigen Modepuppe.
- Auf der 2: “Freizeit-Revue”: Die Freizeitrevue ist etwas ganz besonderes. Man könnte sogar sagen: Die Mutter aller Klatsch-Zeitschriften, ein “Allrounder”. Hier findet man Promi-Geschichten (naja meist der Adel und/oder deutsche Schlager“stars”), Modetipps (für 60+), Werbung für Anti-Krähenfüße-Produkte, weitere interessante “Ehefrauen-Berichte”, Arztkonsultationen, Vitaminpräparats-Vorschläge, Kochrezepte, Horoskope und Gartenanbau-Ideen. Warum also 10 Zeitschriften lesen, wenn man alles in einer findet? Ganz klares Plus für die “Freizeit-Revue”
- Und die 1: Die “Apotheken-Rundschau”: Darf natürlich in keiner Arztpraxis fehlen. Falls die bisherigen Symptome einen Arztbesuch nicht rechtfertigen sollten, einfach schnell die Apotheken-Rundschau gezückt und schnell eine Krankheit finden. Von “A”, wie “Allergie” bis “Z” wie “Zyste”: Wer da nichts findet, ist selber Schuld. Doch die Hypochon … äh.. Apotheken-Rundschau wäre ja nicht die Apotheken-Rundschau wenn sie nicht gleich nützliche Hilfe zu den jeweiligen Krankheiten finden würde. Mit den hilfreichen Tipps “Sprechen Sie am besten Ihren Arzt darauf an”, hilft man nicht nur dem eigenen Doktor bei der Diagnose(er)findung, nein, man macht ihn auch gleich noch reich damit – Privatpatienten werden natürlich bevorzugt.
So, liebe Freunde. Ich hoffe euch hat diese kleine, zarte Auflistung gefallen. Einige werden nicken, andere werden meinen, da fehlt doch noch eine ganz tolle Zeitschrift. Na dann mal her damit! Welches ultra-tolle-Wartezimmer-Käseblatt darf nicht fehlen?
Eure,
Mrs. Felsenheimer
5 Kommentare
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Also ich mach da immer auf schnöselige Pseudo-Intellektuelle und wühle aus dem Schnitten-und-Hämoriden-Zeitschriften-Haufen eine National Geographic (mindestens 3 Jahre alt) raus und lese ganz interressiert den Artikel über den Untergang der Armada. Dramatik und detailliert beschriebene Todeskämpfe passen sowieso am besten ins Wartezimmer.
Besonders ins Wartezimmer des Arztes, der uns viermal jährlich den Pflichtobolus abnimmt.
@Bärbel: Also bei den Ärzten zu denen ich gehe, liegen solche schlauen Lektüren gar nicht aus. Was das wohl über die Kompetenz/Behandlungsqualität meiner Ärzte aussagt? :)
Möglicherweise, dass sie ständig neue Diätarten suchen (Bild der Frau), über die Affären der Stars auf dem laufenden sind (Gala), ihr Hirn mit dem Lösen von Kreuzworträseln auf Trab halten (Freizeit-Revue) und sich ihre eigene Gesichtsmaske zusammenrühren können (Jolie).
Ist ja nichts schlechtes. ;-)
Ich schätze mal, dass sich die Ärzte auf ihr Klientel einstellen. Ich bin sicher, dass ich in einer reinen Privat-Patienten-Praxis bestimmt intellektuellere Zeitschriften finden würde. Aber das wird wohl immer nur in der Theorie beweisbar sein :)
Ich bin ja schon froh, wenn im Wartezimmer auch nur annähernd aktuelle (!) und brauchbare Zeitschriften liegen. Finde ich ja auch immer toll, wenn man schon zum Arzt muss, dass man sich noch über die neuesten Rückenbeschwerden aufgeklärt wird
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