Die DDR ... oder der Versuch das Rad neu zu erfinden
Ich hatte ja das große “Glück” die ersten 5 Jahre meines Lebens hinter der geschützten Mauer zu verbringen. Und mal abgesehen von “Leckermäulchen” oder dem (einzig wahren Ost-)Sandmännchen hab ich so gut wie keinerlei echte DDR-Erinnerung. Ich weiß nur das meine Eltern wohl ne dicke “Akte” haben müssen, weil sie als Gastronomen, also als Menschen im öffentlichen Leben, eh mindestens 2 Spitzel gehabt haben müssen.
Heute prägt mich mein familäres Umfeld noch des öfteren mit ostdeutschen Fachausdrücken. So spricht mein Opa auch heute noch von “wir hier in der Zone” oder vom “Konsum” (Betonung auf KONsum). Auch wenn es darum geht mal jemanden “zur Hand zu gehen” ist die Rede vom ‘“Subbotnik”’* (ein freiwilliger Arbeitseinsatz der DDR-Bürger an einem Samstag)
Aber am skurrilsten sind die Ausdrücke, die mir bisher noch nicht bekannt waren. So z.B. die “Jahresendflügel-Figur” oder das “Wink-Element”. WTF? denkt die jüngere Generation bzw. die westdeutsche Leserschaft. Etwas einfacher ist es da mit dem “Broiler”…
Oder der gute alte Klappfix, der auch heute noch im Bekanntenkreis genutzt wird.
Die DDR brauchte also immer ein anderes, neues Wort für bereits bestehende Phrasen. Warum? – Weil alles westliche schlecht war, und daher nennen wir das kapitalistisch geprägte Wort einfach um und schon passt es in unsere heile “Alle-sind-gleich-Welt”.
Was aber ist nun eine Jahresendflügelfigur, ein Wink-Element oder ein Klappfix? Naa, wer kommt drauf?
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Jahresendflügelfigur -> Weihnachtsengel (hab davon zu Ostzeiten aber nie etwas gehört. war vielleicht eher ein regionaler Begriff)
Wink-Element -> Fähnchen für den 1. Mai
Klappfix -> müsste ich googeln…
Broiler ist doch UNIVERSELL genau wie Bemme…
Der Klappfix ist der ultimative und weltcoolste Campinganhänger überhaupt.
Und den kannte ich sogar schon, als ich noch nicht in “die Zone” ausgewandert war :)
Ich glaube mal gehört zu haben, dass die Geschichte mit dem Weihnachtsengel eine Erfindung ist. Oder kennt das jemand aus dem “echten Leben”?
bemme, broiler, JAHRESENDFLÜGEL-FIGUR – das kenn ja sogar ich!! und das nicht erst seit meinem studium im nahen osten :-) vielleicht haben mir da meine ostdeutschen wurzeln (die omas sind stets die wurzel allen übels!) zu einem erweiterten wortschatz verholfen. wogegen sich die überaus westdeutsche germanistin in mir aber vehement verwehrt, sind einfach undurchschaubare ausdrücke wie “plaste” (gänsehaut!!) oder, mein all-time-favourite aus den vorlesungen: “Kannst du mir bitte mal sagen, wie spät es ist?” “viertel!” (sprich: füddl, mit überaus kurzem ü und hartem d!)
????????!!!!!!!!!!!
@daRONN nicht schlecht! sehr gute ostdeutsch-kentnisse
@Basti broiler klingt irgendwie auch leckerer als brathähnchen
@der sema da hast du recht, auch heute noch ein ideales camping, ääähh natürlich ZELT-zubehör.
@mareike harhar du stößt gleich die diskussion "viertel vor" oder "viertel nach" an
“Jahresendflügelfigur” gabs tatsächlich nicht im normal sprachgebrauch der ostdeutschen. bekannt wurde das wort durch die satire-zeitschrift “titanic”. “winkelement” gabs allerdings tatsächlich, aber auch eher parteiintern ;)
Dieses “viertel/dreiviertel-Ding” ist ja kein reines Ost-Thema. Gibts auch in weiten Teilen Frankens uns teilw. Bayerns.
Und wer das nicht kapiert is selber schuld. Is doch simpel. :)
@der_sema die meisten “dreiviertel/viertel”-sprecher sind ja auch multitask und verstehen beide formen. nur umgekehrt ist es oft nicht so.