Der korrekte Umgang mit Chantal- und Kevinismus

23. Jan. 12 in , bisher 7 Kommentare

Über Namens-Geschmäcker lässt sich ja streiten. Der sich stetig weiter verbreitende Chantal- und Kevinismus ist zwar beunruhigend, meist jedoch belustigend, wirft allerdings auf Fragen auf. Keine so tiefgehenden wie “Warum müssen Eltern ihre Kinder Chanaya oder Phoenix nennen? Nein, eher eine ganz praktische: “Wie reagiert man im alltäglichen Umgang auf solche Namen?”

Zum Beispiel bei uns in der Krippe. Da gibt es auch ein paar, sagen wir, ausgefallenere Namen wie Jason oder Antoine. Die Erzieherinnen sprechen meist von “Jäsen” und “Antwann”. Jetzt lernen sich Eltern gern mal an der Garderobe kennen, währen sie ihren Nachwuchs um/ankleiden. “Wie heißt denn Ihr Kleiner/Ihre Kleine?”, beginnen häufig solche Gespräche. “Jeremy Jerome Fritz.” Urgs. Wie verhält man sich da angemessen? Wie schafft man es, seine Gesichtszüge neutral beizubehalten, ohne das man eine Wertung erkennen lässt? Nur damit ich nicht missverstanden werde: Ich behaupte nicht, dass die Namensgebung des Todds das Maß aller Dinge ist, dennoch, seien wir ehrlich, es gibt ganz schreckliche Namen für Kinder: Angel, Fiffi-Tinkerbell, Heaven, Happiness, ConnEr, TylOr und co. Meist also reagiere ich auf Namen, die bei mir eher Mitleid auslösen, mit: “Ähm, ach so. Ja, also das ist der Todd.” Bloß keine Wertung abgeben! Wer möchte am frühen Morgen schon tiefgreifende Diskussionen starten, warum das Kind später im der Schule gemobbt werden könnte oder warum es keinen Job finden wird? Statt dessen wartet man, bis der Fuß aus der Tür ist und das breite Grinsen endlich zum Vorschein kommen darf.

Ist den Eltern nicht bewusst, welche Blöße sie sich auch selbst damit geben? Erwiesenermaßen kommen solche Namen sehr häufig aus bestimmten sozialen Schichten. Sich davon abzuheben, war wohl einst damit versucht worden, seinen Sprösslingen besonders exotische Namen zu geben. Nun bewirkt die Schwämme an solchen extravaganten Namen aber eher das Gegenteil. Warum werden im Jahr 2012 immer noch Kinder “Justin” oder “Chantal” genannt? Namen, über die sich so offensichtlich seit Jahren lustig gemacht wird? Wie kann man als Eltern so ignorant sein? Oder ist das schon so ein Generations-Dings, weil der Vater auch schon Justin hieß?

Keine Wertung. Es fällt schwer. Dennoch. Jeder wie er mag. Mir gings ja um die Frage, wie man angemessen reagiert? Ich bin der Meinung, dass es mir nicht zusteht, Namen offen zu kritisieren. Also bleibt es beim peinlich berührten “Ach so”. Und immerhin hab ich ja noch dieses Blog zum Lästern ;)

7 Kommentare

  1. Gravatar dieses Kommentators andreas [Permlink] 23.01.2012

    also ich würde die eltern ganz offen darauf ansprechen, ob sie nicht vielleicht etwas weniger gzsz, beverly hill 90210, melrose place oder den ganzen anderen mist hätten gucken sollen. außerdem würde ich mir mein lachen nicht verkneifen können…spaß muss sein :-)

  2. bei meinem glück gelange ich dabei an die mutti, die einen schwarzen gürtel in karate hat ;)

  3. Gravatar dieses Kommentators Konrad [Permlink] 23.01.2012

    Na gut das ist ja nun nichts außergewöhnliches in unserer Zeit. Die einen nenne ihre Kinder eben Jerome-Chantals – die anderen Elisabeth, Benedikt oder Friedrich. So richtig schön altdeutsch. Beide fühlen sich in ihrer Kaste wohl und schauen sicher verächtlich auf die jeweils andere Seite des Zauns – oder kannst du dir vorstellen, dass eine gestandene H4-Famlie ihr Kind Benedikt nennt? ;-)

    Und dazwischen irgendwo finden sich die ganzen L-Namen, die im Mainstream seit Jahren Mode sind.

  4. Gravatar dieses Kommentators Nancy [Permlink] 24.01.2012

    Kennst du?

    http://chantalismus.tumblr.com/

  5. @nancy na sichi! dadurch bin ich ja überhaupt erst wieder drauf gekommen ;)

  6. @Konrad ich gebe dir da natürlich recht! auf der anderen seite sind da eben die vermeintlichen oberschicht-namen. und jetzt die challenge: versuch mal einen namen zu finden, der keiner “kaste” angehört. wir haben eine weile gebraucht, ehe wir einen guten namen fanden ;)

  7. Gravatar dieses Kommentators Nancy [Permlink] 30.01.2012

    Viel schlimmer ist es, wenn man nicht weiß, wie man das Kind ansprechen soll.
    Ist es Tschäsen oder doch (unglaublicherweise) Jason ?
    Heisst es Dajän oder Dain ( Dayn – Kind aus unserer Kita, ein Junge – wird Däin gesprochen)
    So ging es mir letzten Sommer bei einem Kindergartenfest. Ich kannte viele Kinder nur vom Sehen und die Namen nur vom Kleiderfach. ;-)

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