Berg und Talbahn
Vom Berg-und-Talbahn-Karussel aufm Rummel wurde mir immer schlecht. Schlecht ist mir gerade auch. Nein, nicht vom Berg-und-Talbahn-Fahren und auch nicht im übertragenen Sinne. Schlecht im wahrsten Sinne des Wortes. Nun war ich weder in ner dunklen Schaben-Spelunke speisen oder habe mich gar übergessen mit Lebkuchen, nein. Wenn einem Mädel schlecht wird, hat das meist auch einen sehr evolutionären Grund: Ein paar Zentimeter unter meinem Magen hat sich ein Untermieter eingenistet. Dort haust er nun seit 13 Wochen und bereitet seiner Vermieterin neben Übelkeit vor allem eines: Freude.
Der Verursacher des ganzen, bemüht sich redlich um mein Wohlbefinden und ist in heller und gespannter Aufregung. In den letzten Tagen haben wir unser (derzeit) ca. 65mm kleines Geheimnis Freunden und Verwandten mitgeteilt, die sich ausnahmslos sehr für uns gefreut haben. Ein bisschen schade fand ich es, dass der baldige Papa bei den Glückwünschen oft ein wenig übergangen wurde. Während mir Arme und Wangen entgegen gedrückt wurden, saß der arme Graf immer am Rande und schaute ein bisschen traurig durch die Gegend. Dabei hat er doch genauso viele Anteile an “Schlomo”.
“Schlomo” ist der Arbeitstitel des Projekes “Baby”. Es soll gänzlich geschlechtsunspezifisch sein, denn wir wissen ja selbst noch nicht obs ein Graf oder eine Gräfin wird.
Nun könnte man wohlwollend behaupten die letzten Tage waren positiv aufregend. Ja, das waren sie auch. Mal abgesehen vom gestrigend Abend. Aber kurz erklärt.
Nachdem wir gestern gegen 20.30Uhr endlich daheim angekommen waren, sah der Graf aufm AB ein Blinken. Norja, is ja nix dabei. Es war die Sprechstundenhilfe meiner Frauenärztin. “Hallo Mrs. Felsenheimer, bitte rufen Sie morgen in der Telefonsprechstunde zurück, es geht um eine Absprache.” Nun, ungewöhnlich aber auf den ersten Blick nicht weiter beängstigend. Dann aber fiel mir ein: Am Freitag letzter Woche hatte ich eine Blutentnahme zwecks Gefahrbestimmung einer Chromosomenstörung. PANIK. “…es geht um eine Absprache”. Welcher Art, ging es mir durch den Kopf. Terminabsprache zur weiteren Diagnostik? Absprache um mich auf ein mögliches schlechtes Ergebnis einzustimmen? Es war eine der längsten Nächte unseres Lebens und zum ersten Mal spürten wir die Angst, die uns von vielen Eltern beschrieben wurde. Was wenn was mit dem Kind nicht stimmt? Kann das sein? Es sah alles so gut aus. Was machen wir jetzt? Kann ich die Zeit bis zur definitiven Abklärung überhaupt überstehen? Schadet die Aufregung dem Kind? Hätte ich meinen Grafen nicht, ich wüsste nicht wie ich die Nacht überstanden hätte.
Der heutige Tag brachte Klarheit. Wir fuhren natürlich gleich frühs in die Praxis, bis zur Telefonsprechstunde zu warten wäre definitiv nicht drin gewesen. Die nichts ahnende Sprechstundenhilfe erklärte uns dann, dass es irgendein Problem mit der Laborrechnung gäbe und sie uns nur bescheid sagen wollte. In diesem Moment schlugen 4 Herzen in mir: Das eigene, Schlomos, das einer Erwürgerin und das einer Liebkoserin. Ich hätte Meuchelmörderin und Amor in einem sein können. Sichtlich erleichtert verließen wir die Praxis.
Und nun, nachdem sich die Aufregung gelegt hat, können wir uns wieder ungestört der Freude auf unseren Schlomo hingeben.
Hier das erste Bildchen
4 Kommentare
Suche
Letzte Kommentare
- Mareike Witte am 09. Sep zu »Weg mit dem Gestrüpp... oder doch nicht?«
- Mareike Witte am 09. Sep zu »Weg mit dem Gestrüpp... oder doch nicht?«
- Nicole am 08. Sep zu »Weg mit dem Gestrüpp... oder doch nicht?«
- zoellner am 31. Aug zu »Der gestiefelte (Shrek)Kater war sein Lehrmeister...«
Hmm, sicher daß du dich freust? So ein Kind kostet dich im Laufe des Lebens soviel wie ein gut ausgestattetes Haus. Dazu kommen schlaflose Nächte, Ärger in der Schule und das ganze Geld nicht zu vergessen.
Dann mal viel Spaß mit der Schwangerschaft. ;-)
Ich finde, Schlomo ist ein schöner Name so Unisex…
Btw, man hätte ja auch schon über Tel sagen können was los ist!
@torsten: dann hast du ja glück, dass deine eltern nicht so gedacht haben…
Wer ist dieser Torsten?
Ein Kind als übermäßige Geldausgabe anzusehen ist schon abwegig.
Ich hoffe er pflanzt sich nicht fort. Damit sich solche Gedanken nicht auch noch vermehren. Er soll sich doch für sein Geld ein Haus bauen, in dem er dann ganz allein für sich sein kann.
Beste Grüße aus Dresden sendet ein durch Zufall auf diese Seite geratener.