"Wie lange?"
Kassenpatienten sind wie Eiterpickel für die meisten Ärzte: Es gibt viel zu viele davon und sie kehren ungefragt und in regelmäßigen Abständen wieder. Das belastet natürlich nicht nur die Versicherungsgesellschaft, sondern eben auch das Budget des Kassenpatienten geplagten Arztes. Versucht man gegen Ende eines Quartals noch kurzfristig einen Termin zu bekommen, gleicht das dem Versuch ein Abschleppseil durch ein Nadelöhr zu pressen. Die längste Wartezeit auf einen Termin bei nem Spezialisten belief sich bei mir um ein 3/4 Jahr. Ich musste sogar von einer Hochzeit kurzzeitig verschwinden und mit Festkleidung im Wartezimmer Wurzeln schlagen.
Na gut, ich erzähle nichts neues, ich weiß. Heute hab ich mich aber mal wieder arg über meinen aktuellen Hausarzt geärgert. Da schicke ich extra eine Freundin hin, damit sie mir eine Übeweisung abholen kann und dann hat eben jener Doc nicht geöffnet. Entgegen der telefonischen Absicherung meinerseits ein paar Tage zuvor. Naja, was soll ich auch von einem Arzt halten, bei dem zu Bestzeiten der H1N1-Panikwelle gähnende Leere im Wartezimmer herrschte? Wo sich in den Räumlichkeiten abfallender Putz und vermoderte Teppiche gute Nacht sagen? Wo der Arzt statt um 8Uhr einfach mal gegen 9Uhr in die Praxis kommt oder zwischendurch mal für nen Stündchen auf nen Käffchen verschwindet? Wo der erste Satz, beim Betreten des “Behandlungsraumes”, lautet: “Wie lange?” (Krankschreibung).
“Mrs. Felsenheimer, warum gehst du da überhaupt hin?” – Ja, die Frage ist berechtigt, aber ich habe durchaus plausible Gründe. Der eine ist, dass ich eigentlich bei speziellen Sachen eh stets gleich zum Facharzt gehe. Der andere ist der, dass wenn ich einen quälenden Infekt ausbrüte und ich mich gerade mal noch so auf den Beinen halten kann, ich froh bin mein Leben zu haben und nicht erst durch die ganze Stadt jockeln muss. Mein Arzt ist nämlich in ca. 200m Luftlinie entfernt. Und letztlich habe ich bisher einfach noch keinen vernünftigen Hausarzt gefunden. Irgendwie sind sie ja eh alle gleich, und warum dann für den gleichen “Service” ewig herumgondeln?
Allerdings wirds nun wirklich Zeit für eine Trennung. Denn bei dem baulichen Zustand der Praxis muss ich ja mittlerweile Angst haben verschüttet zu werden, oder zumindest, dank des kuschligen Schimmels an den Wänden, ein chronisches Lungenleiden davon zu tragen.
Aber am besten ist eben: Man wird einfach nicht krank! Ein guter Vorsatz!
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